Projekt Fotogarten,
oder:  wie schaffe ich ein Stückchen Lebensraum für Vögel

Ein Wort vorweg, ohne die Hilfe meiner Freunde und die Toleranz von Michaela wäre ein solches Vorhaben nicht möglich!

Kurze Vorgeschichte:
2008 bekam  ich die Gelegenheit, ein Gartengrundstück  mit einigen Apfelbäumen zu nutzen und zu pflegen.
Die Lage ist von der Anfahrtszeit ideal, das Grundstück liegt in Wohnortnähe, leider jedoch ziemlich nahe am Ortsrand und an einem Spielplatz, was uns jedoch nicht davon abhielt, einen Fotogarten daraus zu gestalten. Wir begannen mit einer Winterfütterung und Tarnzelt. Die Vögel gewöhnten sich nach kurzer Zeit an unsere fotografischen Aktionen. Insgesamt haben wir 5 verschiedene Brutkästen und eine Steinkauzröhre aufgehängt, die Brutkästen sind regelmäßig belegt, die Steinkauzröhre leider nicht.
Im Laufe der nächsten 3 Jahre bauten wir eine  Vogeltränke und eine feste Ansitzhütte, immer wieder wurden einige kleine Veränderungen durchgeführt.  Wir pflanzten vogelfreundliche Hecken, bauten aus altem Baumschnitt künstliche Hecken als Sichtschutz und schleppten viele Sandsteine zum Bau einer Trockenmauer.

All diese Maßnahmen führten zu einem guten Vogelaufkommen im Garten. Der Großteil der Vögel waren Spatzen, Stare und Tauben, jedoch waren zwischen ihnen immer mal wieder andere Arten zu finden, so dass wir mit der Zeit die unterschiedlichsten Arten an der Tränke fotografieren konnten. Auch der Bussard zählte im Winter zu den regelmäßigen Besuchern.

 

Ende 2011 wurde mir ein größeres Gelände  angeboten, nur wenige Meter vom Fotogarten, aber dennoch etwas weiter vom Ortsrand entfernt. Das Gelände ist zur Hälfte von einer alten Ligusterhecke umgeben, was neugierige Blicke abhält, und so auch viel mehr Ruhe ausstrahlt und besteht aus einem Bauerngarten mit altem Obstbestand, einige m² hügelige Sandlandschaft mit einigen Tannen am Rand, und einer Restfläche mit einer Birke und einem Nussbaum.  Strom und mehrere Brunnen stehen zur Verfügung. Insgesamt sind die Rahmenbedingungen ein Vielfaches besser als vorher. Nach einigen Gesprächen und Überlegungen habe ich mich dazu entschlossen, das Gelände zu pachten. Die extrem verwucherte  und auch zu hohe Hecke sollte ich in einem geschnittenen Zustand übernehmen,  so dass für mich eine Pflege auch möglich sein sollte.

Hier möchte ich in regelmäßigen Zeiträumen darüber berichten, welche Arbeiten, Erfahrungen und Bilder wir bei diesem Vorhaben machen werden.

Dezember 2011:
So sah es aus, bevor wir „Hand anlegten“

Februar 2012:
Während einer längeren Frostperiode wurde die Ligusterhecke geschnitten.
Ein Großteil des Heckenschnittes wurde auf dem benachbarten Acker abgelegt.
Eine defekte Wasserversorgung  wurde komplett ausgegraben und auch die Stromführung zum Brunnen wird neu geplantNachdem nun einige Tage vergangen waren, war der Frost weitgehend vorbei,  Nachbars Feld war wegen der Nässe leider nicht mehr befahrbar, trotzdem musste das Schnittgut vom Feld. Der Acker sollte ja schließlich auch mal bepflanzt werden.
März 2012:
Wir haben den kompletten Heckenschnitt mit einem Handwagen abgeräumt, und zu einem „kleinen Haufen“ gestapelt.

Die Sache hatte auch was Gutes, in kürzester Zeit war der Haufen ein Anziehungsmagnet für Vögel und andere Bewohner.

Vor der Bodenbearbeitung

Ein Teil der Fläche haben wir mit einer Motorfräße bearbeitet

 

 

 

Das Gelände wurde mit maschineller Unterstützung so gut es ging „begradigt“.

April 2012:
Ein netter Herr hat uns einen Turmfalkenbrutkasten gebaut und gespendet.
Hier fehlt nur noch die Idee, wie das Teil in die Höhe kommt.
Die im Winter gemachten Gedanken und Pläne für ein  Fotoversteck auf Augenhöhe und *Vogeltränke * wurden – leider viel später als wir geplant hatten – in die Praxis übertragen.
Und wie so oft, ist alles anders als geplant :-).
Erstmalig haben wir verspiegelte Plexiglasscheiben als Sichtschlitze verbaut, ist echt eine tolle Sache.

Der noch verbleibende Heckenschnitt wurde zur Erstellung von neuen Totholzhecken genutzt.
Zwischendurch haben wir immer wieder Holunder verpflanzt. Da dieser auf dem Gelände an vielen Stellen wächst, musste er nur umquartiert werden.
Denn ewig wird das Totholz leider nicht halten. Immerhin haben wir mehrere Meter Sichtschutz und Aufenthaltsplatz für Vögel und andere Tiere/Insekten geschaffen.

Während der letzten 3 Monate sind uns 33 Vogelarten aufgefallen, eine kleine Entschädigung für die permanenten Rücken- und Gelenksschmerzen. Auch eine Ringdrossel war für einige Tage zu Gast.

Dank einem provisorischen Versteck im Brunnenkasten konnte ich diese auch fotografieren. Zwischenzeitlich kommen auch Sing- und Wacholderdrosseln, Hausrotschwanz und der Fasan mit seinen Hennen immer wieder in den Haufen mit Schnittgut.

Zu den 3 vorhandenen Brutkästen habe ich noch 3 weitere im Garten verteilt,

2 der alten Nistkästen sind schon von den Kohlmeisen bezogen. Der Hausrotschwanz baut unter einem Dachvorsprung.

Viele Informationen über die Flächengestaltung findet man im Internet unter dem Thema Wildacker. Wie sich die Fläche letztendlich entwickelt, werden wir wohl im Spätsommer sehen.

Der restliche Heckenschnitt wird zu weiteren Haufen gestapelt.

Juni 2012:
Auch das Insektenhotel hat zwischenzeitlich seinen Platz bekommen.

Die Randbereiche und Totholzhecken haben sich sehr gut entwickelt.

Auch Insekten sollten sich jetzt wohlfühlen..

Die Vogeltränke wurde sehr gut angenommen, sogar von den ganz Jungen Gartenbewohnern.

3 Nistkästen wurden erfolgreich von Kohlmeisen genutzt. Auch die Hausrotschwänze haben einige Jungen im Schlepptau.
Es macht wirklich viel spaß den „Kindergarten“ zu beobachten.

Und bei gutem Wetter schauen auch mal Libellen am Wasser vorbei.

Juli 2012
Ein Teil der Wiese wurde zu einem Insektenparadies

Auch haben wir ein weiteres Tarnversteck aufgebaut, mal sehen ob das mit den Hasenbildern noch was wird.

Zufallig entdeckte ich ein Hausrotschwanznest über der Türe vom Schuppen.
Durch den Einsatz einer Webcam konnte ich das Familienleben für einige Tage beobachten.

Am nächsten Tag sind die Jungen ausgeflogen, und entdecken jetzt die Vorzüge in dem herrlichen Fotogarten.

Inzwischen konnten wir 40 Vogelarten beobachten, darunter auch Girlitz, Bachstelze und Schafstelze.

Auch die Fasanenhenne kam zum trinken an die Wasserstelle.

Für die Spatzen wurde ein Sandberg errichtet, der diesen offensichtlich sehr viel Freude bereitet.

 

Auch das planschen im Wasser macht den Vögeln spaß.

 

Und die Stare legen gerne einen Zwischenstop auf dem Weg zu Ihren Schlafplätzen ein.

August 2012
Um festzustellen, was so alles während meiner Abwesenheit passiert, besorgte ich mr eine Wildkamera.
Die Kamera zeichnet Filmclips oder Bilder am Tag und auch in der Nacht in brauchbarer Qualität auf.

Auch Stieglitz, Fitis und ein Braunkehlchen waren anwesend.

Die Fasane liesen sich mehrere Tage nicht mehr sehen. Nach einigen Tagen wusste ich auch warum.
Es  gab Nachwuchs. Anfangs hielten sich die Vögel meist in voller Deckung auf, nur das Rascheln im
Gebüsch verriet mir die Anwesenheit der Familie.
Die Henne hatte immer einen strengen Blick über die Jungen.

Mit der Zeit wurden die Tiere immer zutraulicher und kamen auch an die Tränke.

Zeitgleich mit den Fasanen kamen auch Elstern immer wieder zum Trinken.
5 Jungvögel mischen den kompletten Fotogarten auf, bringen leider auch sehr viel Unruhe mit.
Aber die Fasane störte das nicht, sie ertrugen die ständigen ärgereien der jungen Elstern.
Lieblingsspiel ist das *Schwanzfedern ziehen*.

Über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen konnte ich die Fasane fast Täglich beobachten und Fotografieren.

Es waren 3 Junge Hennen, und 2 Hähne, wobei die letzten Tage im September nur noch ein Hahn an die Tränke kam.
Ein schönes Erlebnis, zu beobachten, wie sich der Hahn veränderte, fast jeden Tag sah er anders aus und wurde größer.

Hier noch ein Bild von Anfang Oktober

Dank dem Regen der letzten Wochen haben sich die Graswege und Blühflächen sehr gut entwickelt.
Jetzt sollte auch noch im Winter genügend Deckung vorhanden sein.

27. Dezember 2012
Insgesamt konnten wir im Jahresverlauf 45 Vogelarten beobachten. Vor einem Jahr hätte nicht gedacht, daß es so viele werden.
Die Fasane gehören inzwischen zu den täglichen Besuchern, gelegentlich schaut der Sperber vorbei.

Ich wünsche mir für das nächste Jahr ebenso schöne Erlebnisse, damit ich die Kraft und Energie für dieses Projekt aufbringen kann.

30. März 2013
Aus fotografischer Sicht waren die Wintermonate nicht so, wie ich es eigentlich erhofft hatte.
Es waren nur sehr wenige Kleinvögel an der Winterfütterung anwesend.

Vermutlich war das Nahrungsangebot in der Blühfläche (Senfacker) noch so groß, das die Vögel nicht auf zusätzliches Futter angewiesen waren. Immer wieder konnte ich große Truppen mit Bluthänflingen und Buchfinken beobachten, die im Senf nach Nahrung suchten.

Die Bussarde waren sehr selten anzutreffen, wahrscheinlich gab es wegen des wenigen Schnee’s noch genügend Nahrung in den Feldern zu finden.

Dafür war es umso erfreulicher auch mal einen Habicht und Kornweihe auf Fotodistanz zu sehen.

Der Turmfalke war täglich anwesend und lies sich ungestört Fotografieren.

Auch die Elstern zählen zu den täglichen Quälgeistern für die anderen Vögel.

Ende März lies sich tatsächlich die Sonne für einige Tage blicken, was wohl den Igel aus seinem Winterschlaf geholt hat. Noch wirkt er ein wenig träge, hatte aber einen guten Hunger und ist auch sehr durstig.

In den Wintermonaten habe ich einige Holunderbüsche umgepflanzt und weitere Sichtschutzhecken aus Baumschnitt erstellt. Hier sind jetzt Zaunkönig und Heckenbraunelle regelmäßig zu beobachten.

Die Anzahl der Fasane ist inzwischen auf 20 Tiere angestiegen. Ich konnte 4 Hähne und 16 Hennen beobachten.
Seit wenigen Tagen kommen die ersten Vögel zum ausgiebigen Baden an das Wasserbecken.

April 2013
Über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen waren viele Buchfinken, Bluthänflinge, Rohrammern, verschiedene Drosselarten und auch Bergfinken im Garten zu beobachten.

Das hohe Vogelvorkommen könnte durch einen Wetterbedingten „Zugstau“entstanden sein. Ende April waren die meisten dieser Vögel nicht mehr zu sehen und haben Ihre Reise fortgesetzt. Diese Zeit haben wir genutzt und eine weitere Wiesenfläche angelegt.
Das geht mit den richtigen Helfern auch ganz schnell 🙂

Mai 2013
Leider gab es im Mai nur sehr wenige Tage mit etwas Licht am Himmel. Vögel kamen Anfang Mai nur noch ganz selten an die Wasserstelle.
Kein Wunder es gibt ja  auch genügend andere Pfützen bei den vielen Regentagen.
Im Wasserbecken konnten wir mehrere Molche und Libellenlarven beobachten. Auch Wasserfrösche und eine Wechselkröte scheinen sich in der Tränke wohlzufühlen.

Ende Mai kamen wieder Stare und Haussperrlinge mit einigen Jungvögel an die Tränke.
Von den Nistkästen ist leider nur einer belegt. Die Kohlmeisen sind eifrig mit der Fütterung der schreienden Jungen beschäftigt.
Hausrotschwänze brüten in diesem Jahr nicht. Allerdings gibt es eine Brut mit 2 Jungen in der Nachbarschaft.

9. Juni 2013
Im Wasserbecken herrscht zwischenzeitlich ein reges Treiben, die Seerosen haben sich sehr gut entwickelt und bieten Schutz und Deckung.
Heute konnte ich 3 Wechselkröten sehen, und mit sicherheit auch ein Weibchen und ein Männchen 🙂 ….

Ob das der Erfolg der Wechselkröten ist? Kaulquappen….ohne Ende

Auch die Vegetation ist in diesem Jahr ganz schön üppig. Die Gräßer haben teils eine höhe von fast 1,70cm.
Ein Paradies für viele Insekten. Wird wohl bald Zeit zu Mähen.

Die neue Wiese hat auch ganz gut an Farbe zugelegt und die Fotohütte verschwindet im Grünen.

August 2013
Immer mehr Jungvöglel schauen an der Wasserstelle für ausgiebige Bäder vorbei.
Haussperrlinge, Hausrotschwanz, Kohlmeisen, Elstern und auch Junge Fasane sind zu beobachten.
Leider schlüfpten in diesem Jahr nur 2 Fasane. Zumindest habe ich nur 2 entdeckt.

Der Fasan ist regelmäßig zu sehen, Turteltaube und Schafstelze waren leider nur sehr selten anzutreffen.

Winter 2013/2014
An der Winterfütterung war leider wie im vorjahr nicht allzu viel los.
Naja, viel Schnee hatten wir ja leider auch nicht, um nicht zu sagen: Kein Schnee. Allerdings zählten die Bussarde und Saatkrähen zu den täglichen Besuchern im Fotogarten.

Und nicht zuletzt waren auch noch 2 Störche zu Besuch.

Frühjahr 2014
Bereits im Winter habe ich einige Nistkästen für Stare aus Holzbeton gebaut.
Weitere Holznistkästen (Meisen, Fledermaus und Turmfalke) wurden mir geschenkt.

Auch an die Schwalben habe ich gedacht, und bastelte einige Nester aus Gips.

Das nächste Bauprojekt: Ein Insektenhotel, oder besser gesagt schon fast eine Villa.
Es wurde viel umfangreicher als ich dachte. Insgesamt stehen jetzt 12 verschiedene „Zimmer“ für die Insekten zur Verfügung.

Die kleine Trockenmauer wurde um einige Steine erweitert, und eine Magerfläche mit Insektenfreundlichen Pflanzen angelegt.

April 2014
Insgesamt hängen nun 16 verschiedene Nistkästen.
Die 5 große Kästen für die Stare werden auch alle Bewohnt werden, obwohl die Besitzverhältnisse noch nicht ganz geklärt sind.

Ende April haben 2 Kohlmeisenfamilien und eine Blaumeisenfamilie erfolgreich die Nistkästen verlassen.
Vielleicht gibt es ja noch eine 2. Brutserie.
Der Fasan hatte es in diesem Jahr deutlich Schwerer. Aus nicht erklärbaren Gründen hatte der Hahn schwierigkeiten
eine passende Dame/Damen zu finden. Er bemühte sich täglich mehrmals auf seinem Lieblingshaufen und suchte nach passenden Damen.
Ich die Möglichkeit für einige Tage wunderbare Aufnahmen im Gegenlicht zu machen und der Fasan fand wohl auch seine Herzdame :-).

Mai 2014
Die Pflanzen in der Sandanlage entwickeln sich sehr gut, Eidechsen im Steinhaufen habe ich leider noch keine gesehen.
Das Insektenhotel wurde sehr gut angenommen, insgesamt konnte ich 288 verschlossene Brutröhren zählen.

Ende Mai waren schon die ersten Jungen Spatzen an der Vogelträneke zu beobachten.

Während einige Stare immer noch Nistmaterial zu den Brutkästen transportieren, lassen sich die ersten Jungstare noch kräftig verwöhnen,
andere sind bereits mit kleinen Kappeleien und Streitereien beschäftigt.

Eigentlich dachte ich das Mohnblumen in der Landwirtschaft als „schönes“ blühendes Element in der Natur gesehen werden könnten.
Schön sah es aus, der rote Mohn im Grünen Grasstreifen.
Aber ich musste eine andere Erfahrung machen……..“Mohnblumen ist das die Pest am Ackerand“?.
Ich hoffe das ich auch hier noch etwas Überzeugungsarbeit leisten kann.

September 2014

Hier 2 Bilder in Blickrichtung der Fotohütte, in einem Jahr ist die Hecke auf knapp 2 Meter Höhe gewachsen.

Auch das Insektenhotel ist von Spätsommerlichen Gelbtönen umrandet, ein Paradies für Insekten.

 

 

Ich hoffe, durch diese Dokumentation einige Ideen und Anregungen an die Leser zu bringen.
Es ist gar nicht schwierig, ein wenig Lebensraum zu schaffen. Das geht sogar im Vorgarten.
In den letzten 10 Jahren fällt mir folgendes immer mehr auf:
Wo gestern noch ein Baum stand, steht heute ein Carport, die kleine Hecke wird durch Rollrasen ersetzt, usw….
Der Garten wird durch modernes Betonpflasterwerk ersetzt.
Aus der Nachbarschaft im Ort wurde mir folgende Frage gestellt:
Du sag mal, ist Dir auch aufgefallen, dass es fast keine Vögel mehr in unserer Straße gibt?
Meine Antwort: Tja, siehst Du noch was Grünes wachsen?